Küche

Santoku oder Kochmesser?

Santoku und Kochmesser sind beide Allrounder. Der Unterschied liegt in Klingenform, Schneidetechnik und Größe, und genau danach entscheidest du am besten.

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Santoku oder Kochmesser? Diese Frage stellt sich fast jeder, der sein erstes gutes Hauptmesser kauft. Die kurze Antwort: Beide sind Allrounder für Gemüse, Fleisch und Fisch, und beide können die Grundausstattung tragen. Der Unterschied liegt weniger darin, was du schneidest, sondern wie du schneidest. Wer das für sich klärt, hat die Entscheidung meist schon getroffen.

Zwei Allrounder mit unterschiedlicher Herkunft

Das Kochmesser ist die europäische Standardform. ZWILLING beschreibt es mit rund 20 cm langer, leicht gebogener Klinge zum Schneiden, Hacken und Wiegen.

Das Santoku ist eine japanische Haushaltsform. Der Name wird meist mit „drei Tugenden“ übersetzt und steht für Fisch, Fleisch und Gemüse. Nach Angaben der englischen Wikipedia entstand es in den 1940er-Jahren als Allzweckmesser, das die Aufgaben mehrerer traditioneller Formen bündelt. In Japan ist es also vergleichsweise jung und wurde von Anfang an für die Heimküche gedacht.

Form und Klingenprofil im Vergleich

Der wichtigste Unterschied ist die Linie der Schneide, das Klingenprofil.

Das Kochmesser: spitz und gebogen

Beim Kochmesser verläuft die Schneide hinten fast gerade und biegt sich nach vorne immer stärker zur Spitze hoch. Diese Krümmung heißt auch „Bauch“. Der Klingenrücken bleibt bis kurz vor der Spitze gerade. Dadurch hast du eine schlanke Spitze für feine Schnitte und einen Bauch, auf dem die Klinge abrollen kann.

Das Santoku: flach mit Schafsfuß

Beim Santoku ist es umgekehrt: Die Schneide ist über weite Strecken fast gerade, dafür fällt der Rücken zur Spitze hin ab. Diese Spitzenform heißt Schafsfuß. Die Spitze ist dadurch weniger stechend und eher rund. Die Klinge ist außerdem verhältnismäßig hoch. Der japanische Händler Korin hebt genau das hervor: Die hohe Klinge hält die Fingerknöchel beim Schneiden über dem Brett.

Merkmal Kochmesser Santoku
Spitze spitz, Rücken gerade abgerundet, Rücken fällt ab (Schafsfuß)
Schneide deutlich gebogen flach, nur vorne leicht gebogen
Klingenhöhe mittel hoch
Typische Länge um 20 cm 16 bis 18 cm
Typische Schneidetechnik Wiegeschnitt, Zugschnitt Zug- und Druckschnitt, Hacken

Wiegeschnitt oder Zugschnitt: Welche Technik passt zu dir?

Weil die Profile unterschiedlich sind, unterstützen die Messer unterschiedliche Bewegungen.

Der Wiegeschnitt

Beim Wiegeschnitt bleibt die Spitze auf dem Brett, und du rollst die Klinge über den Bauch nach unten ab. Die Hand hebt und senkt nur den hinteren Teil. Das geht schnell, ist leise und eignet sich gut für Kräuter, Knoblauch und feines Hacken. Ein Kochmesser mit gebogener Schneide ist dafür gebaut, auch Güde nennt das Wiegen von Kräutern ausdrücklich als Stärke.

Zugschnitt und Druckschnitt

Beim Zugschnitt setzt du die Klinge vorne an und ziehst sie beim Schneiden zu dir. Beim Druckschnitt schiebst du sie nach vorne und unten durch das Schnittgut. In beiden Fällen löst sich die ganze Klinge vom Brett und setzt flach wieder auf. Das passt zum flachen Profil des Santoku: Die gerade Schneide berührt das Brett auf ganzer Länge, Scheiben werden gleichmäßig und Gemüse wird vollständig durchtrennt, ohne an einem Rest zu hängen.

Die Grenzen sind fließend

Ganz so streng, wie viele Ratgeber es darstellen, ist die Trennung nicht. Mit einem Kochmesser kannst du selbstverständlich auch ziehen und drücken. Und selbst ZWILLING beschreibt in seiner Anleitung zum Santoku eine „wiegende Bewegung“ mit aufgesetzter Spitze. Gemeint ist dort eine sanfte, gleitende Bewegung, kein ausgeprägtes Abrollen. Für langes, gleichmäßiges Wiegen fehlt dem Santoku schlicht der Bauch.

Größen: Was ist üblich?

  • Kochmesser: ZWILLING nennt rund 20 cm als Standard. Güde bietet Längen von 16 bis 26 cm an, japanische Gyutos gibt es bei TOJIRO von 16 bis 30 cm.
  • Santoku: TOJIRO führt Santokus in 16,5 bis 18 cm, die Wikipedia nennt 15 bis 18 cm als Standard.

Ein 18-cm-Santoku und ein 20-cm-Kochmesser liegen also gar nicht weit auseinander. Das Santoku wirkt durch die höhere Klinge und das kürzere Profil kompakter. Auf kleinen Brettern und in engen Küchen ist das angenehm. Wenn du oft große Mengen oder große Stücke schneidest, ist die zusätzliche Länge des Kochmessers ein Vorteil. Wie du die passende Länge für deine Hand und dein Brett findest, steht im Artikel Wie groß sollte ein Kochmesser sein?.

Kullenschliff: nützlich oder Optik?

Viele Santokus, aber auch Kochmesser gibt es mit Kullenschliff. Kullen sind ovale Vertiefungen in der Klinge knapp über der Schneide. Sie sollen Luft zwischen Klinge und Schnittgut bringen, damit dünne oder feuchte Scheiben weniger kleben. Güde beschreibt genau diesen Zweck.

Wie groß der Effekt im Alltag ist, hängt vom Schnittgut ab. Bei Kartoffeln, Gurken oder rohem Fisch kann es helfen, bei Kräutern oder Zwiebeln spielt es kaum eine Rolle. Unabhängige Messungen zur Wirkung kennen wir nicht, deshalb ordnen wir das als Herstellerangabe ein. Ein Santoku ohne Kullen ist kein schlechteres Messer.

Stahl, Härte und Winkel: Die Form sagt wenig darüber

Ein häufiges Missverständnis: Ein Santoku sei automatisch schärfer. Die Form allein macht kein Messer schärfer. Wie fein die Schneide ist und wie lange sie hält, hängt von Stahl, Härte, Klingendicke und Schleifwinkel ab.

Richtig ist, dass viele Santokus aus japanischer Fertigung kommen. ZWILLING nennt für japanische Messer typischerweise 61 bis 66 HRC (Härte auf der Rockwell-Skala) und rund 9,5 bis 12 Grad pro Seite, für deutsche Messer 55 bis 58 HRC und rund 15 Grad pro Seite. Härtere, dünner geschliffene Klingen schneiden feiner, sind aber empfindlicher gegen Ausbrüche.

Gleichzeitig bauen europäische Hersteller Santokus aus ihrem üblichen rostträgen Stahl wie X50CrMoV15, und japanische Hersteller bauen Kochmesser (Gyutos) aus Stählen wie VG-10. Wenn dir Härte und Pflegeaufwand wichtig sind, schau also auf den Stahl, nicht auf die Form. Einen Einstieg bietet der Artikel Welcher Stahl für welches Messer?.

Für wen passt was?

Ein Kochmesser passt gut, wenn du …

  • gern im Wiegeschnitt arbeitest, etwa beim Kräuterhacken,
  • oft große Mengen oder große Stücke wie Kürbis oder Braten schneidest,
  • eine spitze Klinge für feine Schnitte an der Spitze möchtest,
  • ein großes Brett hast und Platz zum Arbeiten.

Ein Santoku passt gut, wenn du …

  • lieber mit Zug- und Druckschnitt arbeitest,
  • vor allem Gemüse in Scheiben und Würfel schneidest,
  • ein kompakteres, oft leichteres Messer bevorzugst,
  • wenig Platz oder ein kleines Brett hast,
  • eine hohe Klinge magst, mit der du Geschnittenes vom Brett aufnehmen kannst.

Wenn du unsicher bist: Halte beide Formen in einem Geschäft in der Hand und mach ein paar Schneidebewegungen in der Luft. Die Form, bei der deine gewohnte Bewegung natürlich wirkt, ist die richtige.

Und was ist mit dem Gyuto?

Das Gyuto ist das japanische Kochmesser: dieselbe Grundform mit gebogener Schneide und Spitze, aber meist dünner und leichter als ein europäisches Kochmesser. Wer die Kochmesser-Form mag, aber die schlanke Bauweise japanischer Messer sucht, landet oft dort. Es gibt außerdem Zwischenformen wie das Bunka. Einen Überblick über alle wichtigen Formen findest du im Artikel Japanische Messerformen.

Egal, wofür du dich entscheidest: Kochmesser oder Santoku ist dein Hauptmesser. Ergänzt um ein kleines Messer und ein Brotmesser hast du eine vollständige Grundausstattung. Damit es scharf bleibt, hilft der Einstieg ins Messer schärfen.

Häufige Fragen

Kann man mit einem Santoku wiegen?

Nur eingeschränkt. Die Schneide ist flacher als beim Kochmesser, deshalb rollt die Klinge kaum ab. Kurze Wiegebewegungen an der Spitze gehen, für ausgiebiges Kräuterwiegen ist ein Kochmesser mit gebogener Schneide angenehmer.

Ist ein Santoku schärfer als ein Kochmesser?

Nicht wegen der Form. Wie scharf ein Messer ist und bleibt, hängt von Stahl, Härte, Klingendicke und Schleifwinkel ab. Viele Santokus kommen aus japanischer Fertigung mit härterem Stahl und spitzerem Winkel, aber es gibt auch Santokus aus europäischem Messerstahl.

Braucht ein Santoku Kullen?

Nein. Kullen sind Vertiefungen über der Schneide, die laut Herstellern das Anhaften dünner Scheiben verringern. Ob dir das hilft, hängt davon ab, was du schneidest. Ein Santoku mit glatter Klinge ist genauso vollwertig.

Quellen

  1. ZWILLING: Die Top 3 Küchenmesser für deine Küche
  2. ZWILLING: Mit Santokumessern richtig schneiden
  3. ZWILLING: Japanische Messer vs. Deutsche Küchenmesser
  4. Güde: Santoku (Messertypen)
  5. Güde: Kochmesser (Messertypen)
  6. TOJIRO: Western Style Knives (Formen und Klingenlängen)
  7. Korin: Knife Catalog (Western-Style Knives, Santoku)
  8. Wikipedia (englisch): Santoku

Recherche und Verantwortung: Nico Haller. Eigene Zusammenfassung auf Basis der genannten Quellen, kein eigener Produkttest.