Werkzeug
Glühfarben und Anlassfarben
Welche Farbe zeigt Stahl bei welcher Temperatur? Gib eine Temperatur ein und sieh die Glühfarbe beim Schmieden und die Anlassfarbe auf blankem Stahl.
Ergebnis
Das Ergebnis erscheint, sobald du Werte eingibst.
Glühfarben beim Schmieden
Glühfarben hängen stark vom Umgebungslicht ab. Die Tabellenwerte gelten für eine abgedunkelte Werkstatt oder gedämpftes, zerstreutes Licht. Im hellen Tageslicht oder in der Sonne wirkt glühender Stahl dunkler: Du schätzt die Temperatur dann zu niedrig und überhitzt leicht. In völliger Dunkelheit wirkt er heller, beginnende Rotglut ist dort schon ab etwa 400 °C zu sehen, im Tageslicht erst ab etwa 525 °C. Farbwahrnehmung ist außerdem subjektiv: Was für den einen kirschrot ist, nennt der andere orange. Arbeite deshalb immer bei gleichem Licht und vergleiche mit Erfahrungswerten.
| Farbe | Bereich | Hinweis |
|---|---|---|
| kaum sichtbare Glut (Grauglut) | 400 bis 520 °C | Nur in sehr dunkler Umgebung als schwaches, fast farbloses Glimmen zu sehen. Leitwert nicht aus dem Tabellenbuch, sondern nach Spektrum (Grauglut 400 °C) und Colvin/Juthe (Rotglut im Dunkeln ab etwa 400 °C). |
| dunkelbraun (beginnende Rotglut) | 520 bis 590 °C | Erste rötlich-braune Glut, im Tageslicht kaum erkennbar. |
| braunrot | 590 bis 655 °C | Bereich typischer Spannungsarm- und Rekristallisationsglühungen. |
| dunkelrot | 655 bis 710 °C | Bereich typischer Weichglühtemperaturen (etwa 650 bis 750 °C). |
| dunkelkirschrot | 710 bis 760 °C | Hier liegt die Umwandlungstemperatur A1 von unlegiertem Stahl (etwa 723 °C). Colvin/Juthe raten, Stahl unterhalb von Dunkelkirschrot nicht mehr zu hämmern. |
| kirschrot | 760 bis 795 °C | Bereich des Curie-Punkts (etwa 770 °C), Magnettest hilfreich. Typische Härtetemperatur vieler unlegierter Werkzeugstähle liegt in diesem und dem nächsten Bereich. |
| hellkirschrot | 795 bis 830 °C | Häufiger Härtebereich für unlegierte Kohlenstoffstähle; genaue Härtetemperatur steht im Datenblatt deines Stahls. |
| hellrot | 830 bis 875 °C | Normalglühbereich für Stähle mit mittlerem Kohlenstoffgehalt. |
| gut hellrot | 875 bis 925 °C | Etwa das untere Ende des Schmiedebereichs vieler unlegierter Stähle. |
| gelbrot (orange) | 925 bis 975 °C | Im Schmiedebereich. Englische Tabellen nennen diese Stufe orange. |
| hellgelbrot | 975 bis 1050 °C | Gute Schmiedetemperatur für viele unlegierte Stähle. |
| gelb | 1050 bis 1150 °C | Obere Schmiedetemperatur, je nach Stahl schon zu heiß. Kornwachstum droht bei längerem Halten. |
| hellgelb | 1150 bis 1250 °C | Für die meisten Messerstähle zu heiß. Nur kurz für grobe Umformung oder Vorbereitung zum Feuerschweißen. |
| gelbweiß (weißglühend) | 1250 bis 1500 °C | Tabellenbuch: über 1300 °C. Feuerschweißhitze; Stahl verbrennt hier leicht unter Funkenflug. Obergrenze 1500 °C nach Spektrum (volle Weißglut), nicht aus dem Tabellenbuch. |
Was zeigt der Magnettest?
Der Magnettest hilft beim Härten unlegierter Kohlenstoffstähle: Eisen verliert seinen Ferromagnetismus am Curie-Punkt bei etwa 768 bis 769 °C (rund 770 °C). Stähle mit etwa 0,8 % Kohlenstoff und mehr werden schon ab etwa 723 °C unmagnetisch, weil sich dort das Gefüge in unmagnetischen Austenit umwandelt. Bleibt ein Magnet nicht mehr haften, hast du ungefähr die Mindesttemperatur zum Härten erreicht; viele Messerstähle brauchen etwas mehr. Der Test zeigt keine genaue Temperatur und funktioniert nicht bei Schnellarbeitsstahl und nicht bei austenitischem Edelstahl, der schon kalt unmagnetisch ist. Halte den Magneten nur kurz an, damit er selbst nicht heiß wird.
Anlassfarben auf blankem Stahl
Anlassfarben sind dünne Oxidschichten, die auf blank geschliffenem, fettfreiem Stahl beim Erwärmen entstehen. Ihre Farbe kommt durch Lichtinterferenz zustande und hängt von der Schichtdicke ab, nicht nur von der Temperatur. Die Werte gelten für unlegierten Werkzeugstahl und zeigen nur die Temperatur an der Oberfläche.
| Farbe | Bereich | Hinweis |
|---|---|---|
| weißgelb (hellgelb) | 180 bis 210 °C | Kaum sichtbarer, blasser Gelbschimmer. Bereich sehr harter Schneiden. |
| strohgelb | 210 bis 225 °C | Klassischer Bereich für harte Schneidwerkzeuge. |
| goldgelb | 225 bis 235 °C | Kräftiges, sattes Gelb. |
| gelbbraun (goldbraun) | 235 bis 245 °C | Das Verlags-PDF (q1) nennt die Stufe goldbraun, Wikipedia und Gewerbeschule Lörrach nach der 41. Auflage gelbbraun. |
| braunrot | 245 bis 255 °C | Übergang von Braun zu Rot. |
| rot | 255 bis 265 °C | Rötlicher Ton zwischen Braun und Purpur. |
| purpurrot | 265 bis 275 °C | Purpur, Übergang zu Violett. |
| violett | 275 bis 285 °C | Zähere Werkzeuge wie Meißel und Körner. |
| dunkelblau | 285 bis 295 °C | Tiefes Blau. |
| kornblumenblau | 295 bis 310 °C | Kräftiges, leuchtendes Blau. Typisch für zähe Teile wie Schraubendreher. |
| hellblau | 310 bis 330 °C | Federn, Sägeblätter für Holz. |
| blaugrau | 330 bis 350 °C | Blau verblasst ins Graue. |
| grau | 350 bis 400 °C | Letzte ablesbare Stufe. Obergrenze 400 °C ist gesetzt, weil darüber keine Farbinformation mehr folgt. Diese Obergrenze ist eine redaktionelle Festlegung, die Quellen nennen keinen Wert. |
Die Farbe hängt von der Haltedauer ab: Hältst du den Stahl länger auf Temperatur, wird die Oxidschicht dicker und die Farbe wandert weiter Richtung Braun, Violett und Blau, obwohl die Temperatur nicht gestiegen ist. Nach Midvale Steel Company entspricht zum Beispiel hell-strohgelb bei 1 h Haltezeit etwa 199 °C, bei 8 min dagegen etwa 265 °C. Auch für die Härte sind Temperatur und Zeit austauschbar (Hollomon-Jaffe-Parameter). Die Tabelle passt am besten zum kurzen Anlassen mit Flamme oder Heizplatte.
Bei legierten und rostträgen Stählen weichen die Farben deutlich ab, sie erscheinen meist erst bei höheren Temperaturen und in anderen Tönen (zum Beispiel Gold, Türkis, Magenta). Ölfilm, Fingerabdrücke, Zunder oder eine nicht blanke Oberfläche verfälschen die Farbe oder verhindern sie ganz.
Anlassfarben ersetzen keine Härtemessung. Für Messer gilt: Halte dich an die Anlasstemperatur und Haltezeit aus dem Datenblatt deines Stahls, am besten im Ofen mit Thermometer, und prüfe im Zweifel die Härte (zum Beispiel nach Rockwell).
Die Hex-Farben sind Annäherungen für die Bildschirmdarstellung. Echte Glüh- und Anlassfarben hängen von Licht, Oberfläche, Stahlsorte und Bildschirm ab.
Quellen
- Europa-Lehrmittel: Wärmebehandlung von Stahl (Ergänzungsmaterial zum Tabellenbuch Metall), Glühfarben und Anlassfarben für unlegierten Werkzeugstahl (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia: Vorlage Glühfarbentabelle (nach Ulrich Fischer, Tabellenbuch Metall, 41. Aufl. 2001, S. 128B) (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia: Vorlage Anlassfarbentabelle (nach Ulrich Fischer, Tabellenbuch Metall, 41. Aufl. 2001, S. 128B) (geprüft 8. Oktober 2026)
- Gewerbeschule Lörrach (Ulrich Rapp): Glüh- und Anlassfarben, Unterrichtsblatt 2018 (geprüft 8. Oktober 2026)
- Spektrum Lexikon der Physik: Glühfarben (Spektrum Akademischer Verlag, 1998) (geprüft 8. Oktober 2026)
- Fred H. Colvin, K. A. Juthe: The Working of Steel (1922), Project Gutenberg; Tabellen 23, 25, 26 und Magnettest (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia (en): Red heat, mit Tabellen nach Chapman, Workshop Technology (1972) und Stirling Consolidated Boiler Company (1905) (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia (en): Tempering (metallurgy), Abschnitt Tempering colors (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia: Glut (Lichtausstrahlung), Hinweis zur Umgebungshelligkeit (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia: Eisen-Kohlenstoff-Diagramm (A1 723 °C, A2 769 °C Curiepunkt) (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia: Curie-Temperatur (Eisen 768 °C) (geprüft 8. Oktober 2026)
- Wikipedia: Anlassen (Austauschbarkeit von Anlasstemperatur und Anlassdauer, Hollomon-Jaffe-Parameter) (geprüft 8. Oktober 2026)
Häufige Fragen
Warum sieht mein Stahl anders aus als in der Tabelle?
Glühfarben hängen stark vom Licht ab. Im Dunkeln wirkt Stahl heißer, im Tageslicht kälter. Arbeite deshalb immer bei ähnlichem Licht und vergleiche mit Erfahrungswerten.
Kann ich mit dem Magnettest die Härtetemperatur bestimmen?
Nur grob. Stahl wird ungefähr dort unmagnetisch, wo das Härten beginnt. Viele Messerstähle brauchen aber etwas mehr Temperatur, und bei manchen Stählen funktioniert der Test gar nicht.
Sind Anlassfarben ein Maß für die Härte?
Nein. Sie zeigen nur grob die Oberflächentemperatur und hängen von der Haltezeit ab. Für die Härte zählen Temperatur und Zeit laut Datenblatt.

